Warum Freundlichkeit wichtig ist

15.10.2019

Hilf mit unsere Welt zu retten, indem wir beginnen freundlicher zu sein.

Freundlichkeit scheint ein Wert zu sein, der zunehmend an Bedeutung verliert. Laut Medien leben wir in einer Ellbogengesellschaft, wo viele nur dem eigenen Egoismus frönen und der Umgangston rauer wird.

„Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“ (Mark Twain)

Warum Freundlichkeit wichtig ist

Ein freundlicher Franzose

Freundlichkeit ist essentiell für unser Wohlbefinden und Glück. Freundlichkeit für uns selbst und Freundlichkeit anderen gegenüber. Sie bedingen einander sogar.
Nur wenn ich mit mir selbst freundlich umgehe, kann ich freundlich mit anderen sein. Freundlichkeit, die ich von anderen empfange, löst ein Wohlbefinden in mir aus und führt dazu, dass ich selbst freundlicher mit mir und anderen bin.


Als ich für diesen Artikel recherchiert habe, ist mir sehr klar geworden, wie wichtig und bedeutsam Freundlichkeit für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unsere Beziehungen und unsere ganze Welt ist.

Freundlichkeit vermittelt eine Haltung, die fast subversiv erscheint: dass die meisten Menschen das Beste für andere wollen, dass es mehr Möglichkeiten als Bedrohungen gibt.


Ich bin nicht bereit einfach hinzunehmen, dass die Welt unfreundlich ist. Viele Menschen haben mich eines Besseren belehrt. Und dennoch ist es von Bedeutung die Energie, die Freundlichkeit verkörpert zu steigern. Es gab einmal ein Experiment in Washington, als sehr viele Menschen für 2 Stunden gemeinsam meditiert haben. In diesen 2 Stunden geschahen kaum Verbrechen in der Stadt mit einer der höchsten Verbrechensraten der USA. Nach den 2 Stunden stieg dieser Wert wieder an. Es zeigte sich, dass etwa 2 % der Menschen ausreichten, um diesen Effekt zu erzeugen. Deshalb ist es so wichtig ein gesundes und positives Gegengewicht gegen den Irrsinn in der Welt zu schaffen. Zum Beispiel durch Freundlichkeit.

Hund am Steuer

Als wir uns vor einigen Jahren mit unserem 20 Jahre alten Wohnmobil auf der langen Heimfahrt von der französischen Atlantikküste befanden, bemerkten wir beim Tanken, dass wir einen Platten hatten. Gott sei Dank war nichts passiert. Wir informierten über die Tankstelle einen Notdienst, welcher unser Reserverad aufzog. „Können wir mit dem Rad denn nach Hause fahren, es sind noch 900 Kilometer und das Reserverad ist auch schon 20 Jahre alt?“ „Kein Problem“ lautete die Antwort.

Eine Stunde später geriet unser Wagen etwas ins Ruckeln, als hätte ein starker Wind es erfasst. Kurz darauf war wieder alles ruhig. Am nächsten Parkplatz kontrollierten wir die Räder, konnten aber nichts feststellen und fuhren weiter. Es war ein Sonntag. Abends gegen 18 Uhr machten wir Pause an einem Autobahnrastplatz und füllten unseren Tank. Als ich zu unserem Auto zurückkehrte blieb mir kurz vor Schreck die Luft weg. An unserem mittags aufgezogenen Reservereifen fehlte ein 10 cm im Durchmesser großes Stück vom Mantel. Wir hatten einfach unglaubliches Glück an diesem Tag und sehr hilfreiche Schutzengel.

Was nun?
Wieder riefen wir den Notdienst. Nach einer Stunde kam ein Abschleppwagen.


Mit unserem bisschen französisch verstanden wir, dass es so lange gedauert hatte, weil der zuständige Kollege nicht kommen wollte, weil er sich mit Wohnmobilen nicht auskennen würde. (Vielleicht hatte er auch keine Lust am Sonntagabend rauszufahren.) Der Fahrer besah sich den Schaden und bedeutete uns hinter ihm herzufahren.

Wir verließen die Tankstelle über eine Ausfahrt hinter der Tankstelle und folgten ihm 3 Orte weiter in eine große Werkstatt. Kaum befanden wir uns unter dem Dach begann es in Strömen zu regnen.

„Freundlichen Menschen schenkt Gott schon bei der Geburt den Schlüssel zu anderen Herzen.“ Edward Young englischer Satiriker

Der freundliche Mann suchte nach einem passenden Rad für uns in seinem Reifen Lager. Es war kein passender Reifen vorhanden. Oje, wie sollen wir denn jetzt nach Hause kommen? Der Werkstattbesitzer fragte, was mit dem Reserverad sei. „Das ist das Reserverad, der richtige Reifen ist platt.“
Er schaute sich den platten Reifen an. „Es steckt ein Nagel darin. Ich werde den Reifen reparieren.“ Gesagt-getan. Er reparierte den Reifen und tauschte ihn gegen das kaputte Reserverad. Mittlerweile war es 21.30 Uhr.

„Wir haben selbst 3 Wohnmobile in der Familie, mein Vater, mein Bruder und ich. Ihr könnt hier auf dem Hof übernachten, neben dem Wohnmobil meines Vaters, ihr bekommt Strom von mir und könnt dort Wasser tanken.“

 
Ich kann nicht beschreiben, wie unglaublich dankbar und froh wir waren. Dieser Mann ist für mich ein Paradebeispiel an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.


Natürlich bekam er den Reifenwechsel bezahlt (über die Versicherung).
Aber dennoch:

  • Er war eigentlich nicht im Dienst. Es war ein Sonntagabend und er opferte seine Zeit um uns, die wir für ihn völlig unbekannt waren und die er vermutlich nie wiedersehen würde, zu helfen.
  • Als er keinen passenden neuen Reifen für uns hatte, nahm er sich die Zeit, den alten zu reparieren.
  • Und schließlich bot er uns noch eine Übernachtungsmöglichkeit an.

Ich weiß seinen Namen nicht und nicht einmal mehr den Ort, wo es geschah. Aber diesen großen Akt der Freundlichkeit werde ich nie vergessen und es wärmt mir heute, Jahre später, noch das Herz.

Hände mit Herz

Die Frage ist, warum die Welt weniger freundlich geworden ist.

Interessieren wir uns nicht mehr für andere? Glauben wir, dass Freundlichkeit ein Zeichen von Schwäche ist? Ist der Mangel an Freundlichkeit sogar Zeichen eines globalen Wandels?


Ich glaube, dass Freundlichkeit aus verschiedenen Gründen in unserem täglichen Leben immer weniger Bedeutung hat.

  • Wir sind in Eile. Das Leben ist so schnelllebig geworden, voller Termine und Orte, dass wir uns nicht mehr die Zeit nehmen, einfach jemandem zuzuhören.
  • In der Vergangenheit fanden menschliche Interaktionen von Angesicht zu Angesicht und von Stimme zu Stimme statt. Dies wird immer mehr durch Technologie ersetzt. Wir reden nicht mehr über das Telefon oder treffen uns von Angesicht zu Angesicht, um mit anderen zu sprechen. Jetzt verbringen wir unsere Zeit damit eine WhatsApp zu schreiben, Beiträge zu veröffentlichen, Videos zu schauen oder einfach sinnlose Spiele auf unseren Handys, Tablets, Computern und sogar unseren Uhren zu spielen.
  • Die Technologie nimmt uns die Höflichkeit. Es ist in Ordnung ist, immer zu spät zu kommen, ich schicke einfach eine WhatsApp und der oder die andere weiß Bescheid. Wir sagen vielfach nicht mehr „Danke, hallo, schön dich zu treffen, bitte und wie kann ich dir helfen“.
  • Wir lächeln andere nicht mehr an, wenn wir sie sehen. Wir sympathisieren oder helfen niemandem mehr, der einen schwierigen Tag hat. Stattdessen platzieren wir ein Emoji in unserem Facebook oder Instagram Post oder in einem Text und nennen es erledigt.
  • Es gibt eine App für alles. Möchtest du eine Beziehung haben? Benutze diese App. Möchtest Du Dein Abendessen bestellen? Benutze diese App. Berauben uns diese Apps echtem Kontakt und menschlicher Verbundenheit und Freundlichkeit? Könnte sein.
  • Ich-Bezogenheit und Gier sind ein weiterer Grund, warum Freundlichkeit in den Hintergrund getreten ist. Viele Menschen konzentrieren sich nur auf ihr eigenes Leben, darauf, voranzukommen und alles Notwendige zu tun, um den anderen zu übertrumpfen.
    Viele Menschen sind mehr daran interessiert, auf sich selbst aufzupassen und für sich zu sorgen, bevor sie sich bemühen, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft auf andere auszudehnen. Wir werden zu einer Gesellschaft von „ich zuerst“, die noch vor wenigen Jahren nicht so oft gesehen wurde.
  • Unsere Umwelt veranlasst uns, uns von anderen zurückzuziehen. Das Leben in überfüllten Städten unter Fremden kann dazu führen, dass man seine natürliche Tendenz großzügig und freundlich zu anderen zu sein, eher verbirgt. Aufgrund der Angst vor Verbrechen, halten es die Menschen für sicherer, unter sich zu bleiben. Kaum jemand hilft noch bei Autoproblemen, weil man Angst hat, es könnte etwas passieren. Ein indianischer Spruch lautet: „In einer Gemeinschaft mit mehr als 3000 Einwohnern kann ein Mensch kein Mensch mehr sein.“
  • Noch vor 30 Jahren war unsere Erziehung anders. Wir haben daran geglaubt, uns gegenseitig zu helfen. Die Nachbarn haben aufeinander aufgepasst. Die Menschen hatten keine Angst, den Armen und Bedürftigen zu helfen. Menschen und Kinder wurden gelehrt, andere zu respektieren und vertrauenswürdig und ehrlich zu sein.
  • Heute haben viele Angst, ihre Freundlichkeit zu zeigen. Es besteht die Befürchtung, dass wir für das, was wir sagen oder tun, angegriffen werden. Vor allem in den anonymen Medien. Wir wollen nicht verletzlich erscheinen und verletzt werden, also greifen wir lieber selbst mit Worten und Taten an, um uns zu schützen.

Freundlichkeit wurde durch Gier, Technologien, schlechte Manieren und die Umwelt, in der wir leben, in den Hintergrund gedrängt. Anstatt Freundlichkeit zu zeigen, haben wir Angst, dass wir als schwach angesehen werden und ausgenutzt werden könnten.

Warum ist Freundlichkeit wichtig?

Viele Studien haben gezeigt, dass Freundlichkeit nicht nur ein guter moralischer Wert ist, sondern auch gut für uns. Sie kommt in vielerlei Hinsicht unserem Gehirn, unserem Körper und unseren Emotionen zugute. Eine freundliche Haltung ist eine Grundlage für ein sinnvolles und glückliches Leben.

Hier sind 6 Gründe, warum Freundlichkeit so wichtig ist.

1. Freundlichkeit macht uns glücklicher. Wenn wir freundliche Handlungen ausführen, aktivieren wir in unserem Gehirn Bereiche des Vergnügens, der sozialen Verbindung und des Vertrauens.


2. Freundlichkeit erzeugt eine positive Schleife in unserem Geist. Freundlich zu sein macht uns glücklicher und Glück macht uns freundlicher. Wenn wir glücklich sind, fühlen wir uns mit größerer Wahrscheinlichkeit anderen gegenüber hilfsbereit und freundlich.


3. Freundlichkeit kann soziale Verbindungen und Bindungen schaffen. Als Menschen sind wir vorprogrammiert, Teil einer Gruppe zu sein. Wir fühlen uns körperlich leistungsfähiger und geistig klarer, wenn wir in einer sozialen Bindung sind, als Teil einer Gruppe. Im Umgang mit anderen ist Freundlichkeit also sehr wichtig.


4. Güte und Freundlichkeit helfen beim Heilungsprozess. Wenn Fürsorge und Pflege mit Freundlichkeit erbracht werden, kann dies den Heilungsprozess beschleunigen und dadurch Krankenhausaufenthalte verkürzen. Eine freundliche Betreuung hat Vorteile, darunter Schmerzreduzierung, Blutdrucksenkung und weniger Angst für den Patienten und die Pflegekräfte.


5. Freundlichkeit kann Krankheiten vorbeugen oder ihre Schwere mindern. Freundlichkeit senkt unsere Stress- und Angstlevel und lindert die Schmerzen aufgrund der Endorphine und Wohlfühlhormone, die zum Zeitpunkt der Handlung freigesetzt werden.
Positive Gefühle durch Freundlichkeit stärken unseren Vagusnerv, der u.a. den Blutzucker reguliert. Dies hilft dem Körper, Diabetes, Schlaganfällen und Herzerkrankungen vorzubeugen.


6. Altruismus stimuliert nachweislich die Belohnungszentren unseres Gehirns. Studien deuten darauf hin, dass wir sogar etwas „high“ werden durch Freundlichkeit.


Egal wie belanglos ein Akt der Freundlichkeit sein mag, es ist gut für uns. Ohne Güte und Freundlichkeit wäre das Leben kälter, einsam, voller Wut und Trostlosigkeit, Krankheit und Stress. Aber wenn Freundlichkeit ohne Gegenleistung gegeben und empfangen wird, ist unser Leben ruhiger, glücklicher und wir bauen sinnvolle Verbindungen zu anderen auf.