Wahr oder falsch? Kinder lachen 400 mal am Tag

19.06.2014

Wahr oder falsch? Kinder lachen 400-mal am Tag und Erwachsene 17 mal.

Glaube nicht alles was geschrieben steht.


Diese Aussage ist ein Mythos, der seit Jahren durch die Medien geistert.
In Hinblick auf Erwachsene sind die Aussagen mehr oder minder wahr, allerdings sind die Studien begrenzt und teilweise widersprüchlich, aber eine Forschung legt nahe, dass Erwachsene durchschnittlich 17,5 mal pro Tag lachen (Martin RA, Kuiper NA: Daily occurence of laughter : Relationships with age, gender and type A personality. Humor: International Journal of Humor Research 1999; 12 (4): 355-84.)

Für die Aussage, Kinder lachen 300 bis 400 mal gibt es keinen Beleg. Außerdem, wenn es wahr wäre, müsste ein Kind 12 Stunden am Tag alle 1-2 Minuten einmal lachen.

Sowohl Erwachsene als auch Kinder lachen vor allem bei sozialen Interaktionen mit anderen. Folglich ist die Häufigkeit des Lachens in jedem Alter davon abhängig, wie viel Zeit der Einzelne mit anderen und hier vor allem beim gemeinsamen Tun verbringt. Das Kind, das allein vor seinem Computer hockt, wird sicherlich weniger lachen, als der Erwachsene, der sich mit seinen Freunden trifft.
Ein wichtiger Faktor ist das Spielen. Kinder spielen in der Regel noch mehr als Erwachsene, bzw. bewegen sich oft eher spielerisch, rennen herum, sind albern und lachen viel dabei.

Wie sich Gerüchte verbreiten.

Es scheint, dass alles mit Dr. Michael Titze, einem Psychotherapeuten und deutschem Pionier in der Welt des therapeutischen Humors begann.
Dr. Michael Titze sagte selbst über die Entstehung dieses falschen Zitates: „Im Jahr 1998, anlässlich eines internationalen Kongresses, der sich mit therapeutischem Humor beschäftigte, wo unter anderem auch William Fry und Patch Adams teilnahmen, sagte irgendjemand, dass Kinder 400 mal am Tag lachen und Erwachsene nur 17 mal. Weil ich die Leitung dieses Gremiums hatte, unterstellten die Journalisten, dass ich der Ursprung dieser unwahren statistischen Aussage sei.

Dies war nicht das erste Mal, dass eine falsche Aussage auf mich zurückgeführt wurde. Im Jahr 1983 schrieb Josef Scheppach einen Artikel über das Phänomen des Lachens, in dem er unter anderem folgende Aussage machte: „Es ist wirklich nicht lächerlich: wir Deutschen verlieren unseren Humor! Wir lachen nur 6 Minuten pro Tag, vor 40 Jahren waren es noch 18 Minuten. Und das war zu einer Zeit, die in jeder Hinsicht weniger lustig war.“ Dieser Artikel wurde in P.M. einer populär wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht.
2 Jahre später erwähnte ich diese Aussage von Scheppachs in einem kurzen Satz in einem Buch über Humor in der Psychotherapie. In den folgenden Jahren zitierte eine unzählige Anzahl von Journalisten dieses Zitat als ob es eine wissenschaftlich validierte Forschung sei. Selbst die London Times übernahm es.”

Mögen die Zahlen auch nicht wissenschaftlich belegt sein, zeigen sie doch Tendenzen auf, die viele von uns wahrnehmen. Die allgemeine Unzufriedenheit, der steigende Stresspegel und Vereinsamung führen dazu, dass Menschen weniger lachen. So kann man die Häufigkeit des Lachens durchaus als Indikator für die seelische Gesundheit ansehen.

Dieser Blogartikel beruht zum großen Teil auf einem Artikel von Sebastien Gendry, American School of Laughter Yoga : http://www.laughteryogaamerica.com

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