„Aber das Lachen ist doch nicht echt“

19.05.2014

„Aber das Lachen ist doch nicht echt!“

Eine Aussage, die ich von Kritikern immer wieder höre, wenn es um Lachyoga geht. Manchmal schauen sie dabei auch noch leicht angewidert. Das Lachen sei so herausgepresst und zu laut, da könne das Herz gar nicht beteiligt sein. Und einfach so, das sei doch nichts. Hinter dieser Aussage steht meist die Erfahrung, dass man nicht auf Kommando einfach so laut herauslachen kann wie es oft im Lachyoga geschieht.
Lachen als Training war und ist für viele immer noch unbekannt und vor allem ungewohnt.

 meterlachen weit

Lachyoga als körperorientiertes Training

Dazu einige Anmerkungen:

 

Lachyoga als Training

Im Lachyoga betonen wir immer wieder, dass auch wenn das Lachen nur gespielt ist, wir dennoch eine gute und gesundheitliche Wirkung im Körper haben, da der Körper nicht unterscheiden kann, ob wir über etwas lachen, oder absichtlich. Unser Verstand kann das sehr wohl unterscheiden.
Man sollte Lachyoga wirklich als Training ansehen. Das heißt, ich führe das Lachen als körperorientierte Übung durch, bewusst und absichtlich, dabei spiele ich zu Beginn einer Lachyogastunde wie ein Schauspieler. Die einzelnen Lachyogaübungen und die Ansteckung durch die anderen über Augenkontakt und das Hören, unterstützen mich dabei. Eigentlich sollte das Lachen dabei unangestrengt und genussvoll sein.
Für dieses Konzept gibt es allerdings bisher keine Erfahrungen, d.h. es ist für viele Menschen außerordentlich ungewohnt. „Traditionell“ lachen wir über Witze, Comedy, wenn wir glücklich und sehr albern sind oder wenn wir mit Freunden zusammen viel Spaß haben, oft ist auch die enthemmende Wirkung von Alkohol im Spiel.

Der Steinzeitmensch im Fitnessstudio

Ein Steinzeitmensch, der jeden Tag viele Kilometer laufen muss, um seine Nahrung zu erwerben, wäre vermutlich auch völlig irritiert , wenn er in ein modernes Fitnessstudio gehen würde und sehen würde, wie ein Mensch, in seinen Augen völlig sinnentleert, ausdauernd auf einer Stelle läuft. Es ist derselbe Akt, zu laufen, aber der Sinn und Kontext sind ein völlig anderer.
Und es ergibt sich eine weitere Parallele, wenn man bei diesem Beispiel bleibt. Als untrainierter Mensch fällt mir ein Lauftraining zu Beginn sehr schwer. Je länger ich trainiere, umso leichter komme ich in meinen Laufrhythmus, die Muskulatur bildet sich aus und umso ausdauernder werde ich. Das Laufen, die Bewegungsabläufe werden immer natürlicher, sogar auf einem Laufband.
Mit dem Lachen als Training ist es genauso. Zu Beginn ist es oft eine ungewohnte Anstrengung. Ich benutze Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass ich sie überhaupt habe, ich bekomme Muskelkater. Je öfter ich es mache, umso leichter wird es. Und es passiert noch etwas. In meinem Gehirn bilden sich neue neuronale Verschaltungen, ich komme immer schneller in ein tiefes und auch herzliches Lachen. Mein Körper und Gehirn werden trainiert zu lachen und sich auch sehr schnell besser und fröhlicher zu fühlen.
Die Interaktion in der Gruppe führt sogar dazu, dass ich sehr schnell aus tiefem Herzen lachen muss, und dass sogar ohne augenscheinlichen Grund. So kann ein trainierter Lachyogi im Prinzip von jetzt auf gleich in ein herzliches und lautes „großes“ Lachen übergehen. Das Training macht den Unterschied.
Der Lachyogi kann sogar einfach wieder damit aufhören. Und für ihn fühlt es sich absolut echt und herzlich an. Es ist die geänderte Physiologie in Körper und Gehirn, die das untrainierte Gegenüber nicht wahrnehmen kann.

Lachyoga als Erfahrung

Deswegen wirkt es oft so merkwürdig, Menschen beim Lachyoga nur zu beobachten. Lachyoga muss man erfahren, nicht anschauen und dabei versuchen, sich einfach vorurteilsfrei auf den Prozess einzulassen. Dabei bietet Lachyoga den Bonus, das die Belohnung für die Tätigkeit sehr schnell erfolgt. Schon nach der ersten Sitzung fühlt man sich besser, oft schon nach wenigen Minuten.