Darf ich lachen, wenn ich traurig bin?

30.01.2015

weinen und lachen

„Darf ich lachen, wenn ich traurig bin?“

Eine Frage, die sich der eine oder andere vielleicht schon mal gestellt hat. Wenn ich voller Trauer bin, dürfen Lachen und Heiterkeit dann nicht sein?

Humor-Coach und Lachtrainerin Silvia Rößler aus Bielefeld:

Silvia Rössler

„Kennen Sie das? Eigentlich befinden Sie sich in einer traurigen Verfassung und plötzlich entschlüpft Ihnen ein Lachen. Wie schön! Und gleich kommt der Gedanke: Darf ich das? Kann das denn jetzt sein?
Beginnt die Ernsthaftigkeit zu entgleiten? Darf „Ernstheiterkeit“ entstehen?
Es gilt zum Teil als pietätlos, wenn gelacht wird, dort wo Trauer herrscht. Ich sehe es mehr und mehr als Erlösung an, wenn der Wechsel der Gefühle vollzogen werden kann.
Der Trauer folgt Lachen und dem Lachen die Trauer und wieder das Lachen. So können sich die Gegensätze einpendeln, in einen Gefühls-Cocktail, mit dem man leben kann.

„Nehmen Sie es nicht so ernst, wie es ist“.
Karl Valentin

Eine humorvolle Sichtweise hilft beim gesunden Perspektivenwechsel. Das Aufblitzen eines Lachens ist ein lichtes Auftauchen aus der Dunkelheit, ein kurzes Auflösen der Erstarrung.
Weinen und Lachen, beides sollte gelebt werden, der spontane Wechsel erlaubt sein: die Schaukel des Lebens – ein Gefühl von lebendig sein.
Da wir beim Lachen nicht gleichzeitig denken können, haben wir eine spontane Denkpause, mit der auch eine kleine Trauerpause einhergehen kann.

Lachen schafft als Ventil Druckausgleich und damit kann gehaltene Energie wieder fließen. Diese erlösende und heilende Wirkung gibt Kraft in der Krise.

In sonnigen und nicht so schweren Zeiten, Lachen und Humor zu trainieren, hilft, eine gute Basis zu schaffen, auf die man auch in Krisenzeiten bauen kann.
So wie man Muskeln trainiert, um auf Berge zu steigen, so kann man auch den Blick für das Heitere und die Lachmuskeln trainieren.

Lachen als Über-Lebens-Elixier.“

„Gibt dir det Leben een Puff

denn weine keene Träne!
Lach dir’n Ast und setz dir druff
und baumle mit de Beene.“
Heinrich Zille

Silvia Rößler bietet Seminare und interaktive Vorträge zu  diesem Thema : www.lachyoga-silvia-roessler.de

und hat ganz neu jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht: Lachen – Trotz und alledem

9783866163416

 

 

 

 

 


 Wir kennen das Sprichwort:“Lachen und Weinen liegen nah beieinander“

Es ist so, dass Lachen und Weinen die gleichen Muskelgruppen benutzen, vor allem das Zwerchfell, allerdings werden unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert.
Deshalb kann es durchaus passieren, dass man zu weinen beginnt, wenn man intensiv lacht. Die Bewegung der Muskeln im Bauchraum beim Lachen ist in dem Fall ein Trigger, der traurige Gefühle auslöst.
Der beste Umgang damit ist: wahrnehmen, fühlen, annehmen, gehen lassen. Dieser Prozeß kann so eine heilende Wirkung entfalten.

Lachen als Ventil für Traurigkeit

Wie sehr dies stimmen kann habe ich selbst erlebt und zwar bei einer ganz besonderen Trauerfeier für eine besondere Frau.

Shaiya GudrunShaiya Gudrun, selbst Lachyoga Lehrerin war nach längerer Krankheit verstorben. Shaiya Gudrun war meine Lachyoga Lehrerin,  ich habe Lachyoga bei ihr kennengelernt.
Die Trauerfeier wurde „alternativ“ begangen, d.h. Familie und Freunde hatten sich um den Sarg versammelt, es wurden Geschichten erzählt, es wurde gesungen, gebetet, geweint. Zum Ende hin wurde der Sarg mit der Verstorbenen nach draußen auf einen Platz getragen.
Alle versammelten sich noch einmal um den Sarg und jemand stellte Musik an und initiierte einen langsamen Kreistanz um den Sarg. Dann standen wir wieder mit ca. 60-70 Personen um den Sarg herum. Die Stimmung war traurig und schwer. Gudrun hatte sich eine fröhliche Beerdigung mit Lachen gewünscht. Und ich schlug vor: „Lasst uns Gudrun und dem Sarg eine Lachdusche geben!“
Bei einer Lachdusche fassen sich alle Teilnehmer an den Händen, bewegen sich auf die Mitte zu und mit einem langgezogenen „Eeehhhh“ schwingt man die Arme nach oben, löst die Hände und lässt imaginäres Wasser mit Lachen über die Person in der Mitte fließen. Das heißt, die Person in der Mitte duscht quasi im Lachen der umstehenden Menschen.
Auch wenn diese Übung nicht alle kannten, machten alle mit. Dreimal gaben wir Gudrun eine Lachdusche. Und dann geschah die Verwandlung. Wie Silvia Rössler es beschreibt, brach ein Ventil auf, die Energie floß wieder, die zähe Traurigkeit löste sich, die Menschen wurden wieder lebendig, plötzlich dreht jemand den Rekorder auf und Gloria Gaynor sang: „I will survive“ und die ganze Gesllschaft tanzte um den Sarg herum, ging in Kontakt, lachte, weinte und sprach miteinander und es kamen Kommentare wie: „Das war jetzt genau richtig, das hatte gefehlt, das hätte sie sich gewünscht!“
WOW! Was für eine Erfahrung. Danke!

Darf ich lachen, wenn ich traurig bin? Ich meine Ja.

Im Lachyoga geht es nie darum, Gefühle „wegzumachen“, Traurigkeit mit Lachen zu übertünchen. Das Gegenteil ist der Fall.
Lachyoga kann sehr hilfreich sein beim Umgang mit den eigenen verschiedenen Gefühlen und Emotionen.

Kennst du ähnliche Situationen, in denen Lachen und Weinen so nah beieinander lagen?

 

Ressourcen:

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